orthodoxe Ostkirchen 12. Oktober
Patronat: der Pressezensur; gegen Kopfleiden und Brustkrankheiten; bei Seelennöten
Anastasia, in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts als Tochter eines angesehenen kaiserlichen Beamten und einer Christin in Rom geboren, wurde gemäß einer von mehreren Legenden auf Bitten ihrer Mutter von Chrysogonus (Heiliger) im christlichen Glauben unterwiesen und getauft. Nach dem Tod der Mutter wurde sie aber gegen ihren Willen vom Vater zur Ehe mit einem einflussreichen Beamten gezwungen, der sie als Christenhasser wie eine Sklavin hielt und misshandelte. Als er von einer Asienreise nicht mehr zurückkehrte, kümmerte sich Anastasia zur Zeit der heftigen Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian (284–305) aufopfernd um die in den Kerkern auf ihr Martyrium wartenden Christen sowie um die Einbalsamierung und Bestattung ihrer Leichname. Als ihr Lehrer und Beichtvater Chrysogonus 303 in Rom festgenommen und in das oberitalienische Aquileia verschleppt wurde, folgte sie ihm. Nach seiner Enthauptung wurde auch sie verhaftet, nach Sirmium an der Save (heute Sremska Mitrovica in Serbien westlich von Belgrad), der Hauptstadt der römischen Provinz Illyricum und oftmaligen Residenz des kaiserlichen Hofes, gebracht, gefoltert und zum Tode verurteilt. Auf ein durchlöchertes Boot gebunden, überließ man sie auf dem reißenden Fluss ihrem Schicksal. Doch das Boot versank nicht, worauf man sie am 25. Dezember 304 (wahrscheinlich) in Sirmium auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Eine weitere Legende berichtet von Anastasias Feuertod zusammen mit 200 Jungfrauen in Rom.
Schon bald nach ihrem Tod wurde Anastasia in vielen Ländern als Heilige verehrt. Ihr Todestag wurde Festtag im römischen Kirchenjahr, ihr Name wurde in den Messkanon und in die Allerheiligenlitanei aufgenommen, und Anastasia, eine Schwester von Kaiser Konstantin I. dem Großen (306–37; Heiliger), stiftete für ihre Namensvetterin in Rom die Kirche Sant’Anastasia. Eine neue Kultwelle begann, nachdem unter dem byzantinischen Kaiser Leon I. dem Großen (457–74) um 470 Anastasias Gebeine in eine ihr zu Ehren geweihte Kirche nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, übertragen worden waren. Reliquien der Heiligen Anastasia befinden sich heute u. a. in Rom, Verona, Zadar (Kroatien) und (seit 1053) im oberbayerischen Kloster Benediktbeuern, das im Mittelalter Zentrum der Anastasiaverehrung war.
Darstellung: als Märtyrerin
Attribute: Salbgefäß, Scheiterhaufen, Schere (weil sie Patronin der Pressezensur ist)

Quelle: Herder-Verlag
