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Sieger Köder

Sieger Köder ist ein gegenständlicher Maler, der zu den bekanntesten religiösen Malern unserer Zeit zählt. Er gilt als ein kraftvoller und farbgewaltiger Prediger mit Bildern. Seine Arbeiten, gleich ob große Gemälde, Altartafeln, Kreuzwegdarstellungen, Glasfenster oder Zeichnungen sind stets engagierte Kunst, Spiegel und Symbol für das ganz andere, das unser eigentliches Leben ausmacht.

Köders Leitlinie: Die Heilsbotschaft des Alten und Neuen Testaments mit Bildworten unserer Zeit als historisch bezeugtes und überall aktuelles Angebot eines liebenden Gottes zu interpretieren.



Geboren wurde Sieger Köder am 3. Januar 1925 im Rathaus in Wasseralfingen; sein Vater stammte aus Jagstzell und war Wasseralfinger Gemeindepfleger. Nach der Grundschulzeit in seinem Heimatort und dem Besuch des Ellwanger Peutinger-Gymnasiums macht er im Kriegsjahr 1943 das Abitur. Als 18jähriger muß er an die Invasionsfront und gerät bei St. Malo in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Aus dieser kehrte er am Heiligen Abend 1945 nach Wasseralfingen zurück. Von 1946 bis 1948 studierte er in Schwäbisch Gmünd (Ziselieren und Silberschmieden) und von1948 bis 1951 an der Kunstakademie Stuttgart. Seine Hochschullehrer waren unter anderem Karl Zeller(Zeichnen), Karl Hils(Werken) und Hermann Sohn(Malen).

Nach dem Examen für Kunsterzieher folgt 1952 and der Universität Tübingen das Studium des zweiten Pflichtfaches für zukünftige Gymnasiallehrer, Sieger Köder hat dazu das Fach "Englisch" gewählt. Das Referendariat macht er am Stuttgarter Zeppelingymnasium. Von 1954 bis 1965 wirkt er als Kunsterzieher am Schubartgymnasium in Aalen.

Während seiner Studienzeit ist Sieger Köder aktiv am Aufbau des Bundes Neudeutschland (ND) beteiligt, dem er schon als Schüler beigetreten ist. Im Studium vertritt er die kath. Studentengemeinde und ist Asta-Vorsitzender and der Kunstakademie. Er erinnert sich gern an manche studentische und andere Feste, die von ihm organisiert werden. In seiner Zeit als Kunsterzieher am Aalener Schubartgymnasium wird er für seine Schulbälle bekannt, die er mit selbstgeschriebenen Theaterszenen und Filmen gestaltet. Ehemalige Schüler und Lehrerkollegen sehen sich gerne wieder bei "Das Wunder von Aalen", "Krampf um Troja", "Wenns im Rohrwang rauscht", "Ma belle madmoiselle" und "Schreiben, schrieb, geschrieben". Neun Jahre arbeitet er auch als Mitglied der CDU-Fraktion im Wasseralfinger Stadtrat mit.

In diesen Jahren entwirft er die Tür des Wasseralfinger Rathauses, malt ein Glasfenster für die Kirche in Onolzheim und gestaltet ein Kreuz für die ND-Burg Niederalfingen, das der Bischof aber nicht weiht - es ist ihm zu modern!



1965 verläßt er das Schubert-Gymnasium, als 40jähriger beginnt er noch einmal zu studieren, sein Ziel ist der Priesterberuf. Im "Johanneum" und im "Wilhelmstift" in Tübingen wohnt er und ist bald bekannt für außergewöhnliche Feste.

Der Alltag des Theologiestudenten Köder aber ist geprägt von Griechisch, Hebräisch, dem Studium des Alten und Neuen Testaments, der Exegese, der Kirchengeschichte, der Moral und weiterer Fächer. Als Student lernt er Herbert Leroy kennen, damals Repetent am Stift, heute Theologieprofessor in Augsburg. Im verdankt er bis heute viele Anregungen; er ist der "geistige Vater" für viele theologische Bilder, wie Köder betont. In den beiden Freisemenstern in München freundet er sich mit dem damaligen Studentenseelsorger Theo Schmidkonz SJ an, mit dem er ebenfalls viele Bildideen besprechen kann.

In dieser Zeit entstehen seine "Tübinger Bibel"(1967), der "Totentanz" in Ebnat (1967) und der bekannte "Wasseralfinger Altar" (1970). Im gleichen Jahr schließt er seine theologischen Studien mit Examen "pro Seminario" ab und begibt sich ins Priesterseminar. Am 17. Juni 1971 wird er in Rottenburg zum Priester geweiht und tritt danch eine Vikarstelle in "Maria Suso" in Ulm an.

Für diese Kirche entstehen fünf Kreuzwegstationen und Entwürfe für einen Advents- und einen Osterwandbehang. In San Pastore bei Rom malt er (als Ulmer Vikar) sein vielleicht bekanntestes Bild, das "Mahl der Sünden". Die Ellwanger St. Anna-Schwestern erhalten eine Bronzetür, in die er den Stammbaum der Namenspatronin der Kongregation modelliert. Hinzu kommen eine Reihe von Illustrationen für theologische Bücher.

Am 29. Juni 1975, am Fest "Peter und Paul" wird Pfarrer Sieger Köder Seelsorger der beiden Kirchengemeinden Rosenberg/Württemb. und Hohenberg. Für die beiden Pfarreien hat er im Laufe der letzten Jahre Vielfältiges geleistet. Der Jakobuskirche Hohenberg gab er ihr ursprüngliches romanisches Inneres zurück, in dem er sie mit siebzehn Bildfenstern im Obergaden, sechs in den Seitenschiffen, zwei großen im Querschiff und einer Rosette im Westgiebel ausstattete. Hinzu kommen der Altar, der Ambo und das Labyrinth in der Vierung. Drei weitere Fenster befinden sich in der Aussegnungshalle; der Totentanz am Westgiebel und Szenen der Jakobuswallfahrt am Ostgiebel des Jakobushauses sind weitere Köder´sche Bildwerke auf dem Hohenberg.

In Rosenberg/Württemb. hat er für die Pfarrkirche einen Flügelaltar gemalt, der voll von Theologie ist. Der Altar hat zwei Seiten, eine für die Advents- und Fastenzeit und eine zweite für die anderen Sequenzen des Kirchenjahres. Im Kreuzweg malt Sieger Köder ungewohnte und neue Deutungen des Leidensweges Jesu. Der Tabernakel und zwei Bildfenster runden die Köder´sche Ergänzung des mit spätbarocken Bildern ausgestatteten Gotteshauses ab.
Und dann sind da seine Feste; wie schon zu Studenten-, Lehrer- und wieder Studentenzeiten gibt er ihnen eine ganz eigene Note; er arbeitet mit den Menschen aus der Gemeinde, es gibt keine eingekauften Stars; alle Sänger, Tänzer, Künstler, Maler und Musiker sind aus den beiden Pfarreien. Festprogramme, Texte, Zeichnungen und Entwürfe stammen von ihm, er hat die Ideen für den Zeltschmuck, ein Gefühl für ein Programm und weiß, was ankommt.
Daneben muß er fast ständig bauen, die beiden Kirchen renovieren und Kapellen sanieren. Er gibt den neuen oder restaurierten Gebäuden einen neuen Schmuck; der Rosenberger Zirkus im Gemeindehaus zählt genauso dazu wie die Bretterkrippe in Hinterbrand. Mit interessierten Frauen und Männern baut er Krippen für die beiden Kirchen, die jährlich viele hundert Besucher anlocken. Viele kleine Kunstwerke gibt es von ihm in der Gemeinde; man schätzt seine Skizzen und Zeichnungen und wenn sie nur auf einer Serviette stehen.

Aber in erster Linie ist er Seelsorger der beiden Pfarreien; und dieser Tätigkeit wird die Kunst untergeordnet oder hintenan gestellt. Die Gottesdienste, die Sakramentenvorbereitung, der Religionsunterricht, Kindergarten- und Jugenarbeit, die beiden Kirchengemeinderäte, Krankenseelsorge und die vielen kleinen und großen Dinge, die zwei Kirchengemeinden mit sich bringen, nimmt er sehr ernst. Er ist eben der Pfarrer.

Seit 1995 ist er im Ruhestand und wohnt im 10 km entfernten Ellwangen.

1925 geb. in Wasseralfingen

1931-1935 Volksschule Wasseralfingen

1935-1943 Gymnasium Ellwangen/Jagst

1943-1945 Arbeitsdienst, Wehrmacht, Gefangenschaft

1946-1947 Staatliche höhere Fach-schule für Edelmetalle in Schw. Gmünd: Ziselieren und Silberschmieden

1947-1951 Kunstakademie Stuttgart: Zeichnen, Werkklasse, Malen, Kunstgeschichte

1951-1952 Universität Tübingen: Anglistik

1953 Referendarjahr Stuttgart

1954-1965 Kunsterzieher am Schubart-Gymnasium Aalen

1965-1970 Universität Tübingen und München: Katholische Theologie

1971 Priesterseminar Rottenburg

1971 Priesterweihe

1971-1975 Vikar in St. Maria Suso, Ulm

1975-1995 Pfarrer in Rosenberg und Hohenberg

seit 1995 im Ruhestand, wohnhaft in Ellwangen